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Freitag, 17. Juni 2016

Die Reiterin

Die Reiterin



Als die Monika Reiter gstorben is, hot des gaunze Dorf durchgeotmet. Es wor fost so, als hättn die Leit den Pesthauch aussiblosn, den die Reiterin in die Ortschoft Gratwein getrogn hot.
Dabei is sie aus Gratwein gwesn, a Hiesige sozusogn, aber ane, die nie hot funktioniern wolln, wie a störrischer Ziagnbock.
Auf die Wölt kumman is sie anno 1977 auf dem Hof ihrer Familie. Sie wor des anzige Kind vom Reiter Hias und seiner Maria. Laung hobn die beiden Bauernleit es probiert, und endlich is da Storch kumman und hot ihnen die Monika brocht.
Es hot scho Gerüchte gebn, dass da Hansi Rappold net ganz unschuldig an der Entstehung von der Moni wor. Er wor der Postbote in jener Zeit und hot den Ruf ghobt, dass er, wann imma a Bauer auf dem Feld wor, zur Bäuerin gangen is und a Paket bei ihr lossn hot. ‘Der geht mit dem Salzstangerl zu die Frauen und verlosst des Haus mit am Kipferl!’, so hot damals a geflügeltes Wort glautet.
Die Monika is jedenfolls auf die Wölt kumman und da Rappold is bold darauf, na jo, verunfallt. Er is in den großen Häcksler vom Rinnhofer geroten, als diesa überroschend früh vom Acker zruckkumman is und sei Frau mit dem Postler erwischt hot.
In ihren ersten Johren wor die Monika Reiter a Kind wie a jedes aundare, a klanes Trutscherl vom Laund eben.Sie hot gern mit die Viecha gspült, und a mit die aundaren Gschroppn, aber lieber mit die Tiere. Gschwisterl hot sie kans ghobt, weil ihre Eltern sie miteinanda jo schwer getan hobn und der Rappold leider verstorbn is.
Dann is sie in die Volksschul kumman und von da Klassnlehrerin neben den Klausi Mierz gsetzt worden, dem Sohn vom Gratweiner Fleischhauer.
Sie hot den Buben überhaupt net mögn und recht schnöll begonnen, ihm des Leben möglichst schwer zu mochn. Die Moni hot den Klaus ausgricht, wo es nur gangen is. Sei Vota würd a schlechtes Fleisch verwurschten, er sölba würd stinkn und außadem hätt sie a Katzerl in die Fleischerei gehn gsehn, aber net wieda aussi, wos sie zur Froge hot bringan miassn: “Sog, Klausi, wo is die Kotz? Is sie in da Braunschweiger glandet oder in die Leberknödl?”
Die ganze Klass hot glocht, nur der Mierz-Bua net, weil der wor damit beschäftigt, die obrochene Spitzn von Monikas Bleistift aus seim Oberschenkl zu entfernen.
Irgendwann is da Lehrerin die Soche zu bled wordn und sie hot die Monika an a Einzelpult gsetzt und ghofft, dass des Dirndl dadurch zur Räson kummt.
Zerst hot sie des zornig gmocht, doch dann hot die die Moni mit am aundaren Dirndl angfreundet und bold a neben ihm sitzn diafn.
Glernt hot sie nie viel, aber sie is imma durchkumman, sodass sie dann in die Hauptschul kumman is. Ihr Vota wor mächtig stolz, denn a Hauptschülerin als Tochter wor in seine Augn fost so vül wert wie a neicha Steyr-Traktor, und zwor a dunkelgrün lackierter. Ihr Muatta wor net so glücklich mit da Situation, denn des Trutscherl hätt locka des Zeig dazua ghobt, in die Mittlschul zu gehn, wenn es nur a bisserl bessare Noten ghobt hätt.
Der Monika is der Unmut ihrer Muatta net entgaungan und so hot sie beschlossn, es ihr heimzuzohln. “Der oidn Krah werd i es scho no zagn!”, hot sie gsogt und si auf die Lauer glegt.
Net lang hots dauert, und sie hot ihrer Muatta ans ausgwischt.
Ihr Vota is eines morgens net in den Stoll gaungan, um die Schweine zu fuattan. Es wor a Samstag und die Farln hobn scho Laut gebn vor Hunger, do hot die Muatta des Füttern übanumman und zu ihra Tochter gsogt: “Da Vota liegt bsoffn im Bett und kann net aufkralln, weil er gestern a gaunze Floschn Schnops ausgsoffen hot, also geh i zu die Farln.” Dann hot sie mit leisa Stimm in den Telefonhörer gsprochn und is in den Stoll gaungan.
Die Moni hot beim Fenster spioniert und gsehn, wie da neiche Postler, Weitstehtder Toni mit Namen, zu ihra Muatta in den  Stoll geht und sie dort schuastert. Sofort is des Dirndl zum Vota grennt und hot gruafn: “Vota, da Briaftroga liegt im Stoll auf da Muatta und mocht Liegestütz!”
Da is da Reiter Hias rasch munter wordn, hot a Lodung Steinsalz in sei Flintn gebn und is zum Ort des Geschehens glaufn, und sei Tochta is ihm nochteiflt.
“Weitstehtder, du miesa Rotz!”, hot er brüllt und dem Kerl a ordentliche Lodung Solz auf die vier Buchstobn brennt.
Die Muatta hot sie schnöll wegdraht, ihren Kittl wieda owizogn und recht aufmüpfig gsogt: “I hob die eh gfrogt, Hias, oba du worst zu bsoffn!”
Über die Soche is dann der Mantel des Schweigens breitet wordn, doch die Moni hot die Handlung, die der Toni an ihrer Muatta vorgnommen hot, net mehr losglossn.
In da Hauptschul hot sie schnöll an Freund ghobt und alles hätt sei Ordnung hobn könnan, wenn die Reiter Moni net auszuckt wär.
Der Bua, Florian, wor ihr hörig. Wie a Maikäfer is er an ihrem Rockzipfl ghängt und sie hot des ausgnutzt, des klane Luada.
Erst hot sie ihn bloß aufgstachlt, klane Dummheiten zu begehn wie Äpfl fladern beim Hausegger-Hof oder mit dem Luftgwehr auf die Hendln vom Smiesl zu ballern. Die Äpfl worn dem Hausegger wurscht, und die Hendln hobn wegen ihre storkn Federn kan Schodn davontrogn.
Als der Bua jedoch an Deitschn Krocha in den Schlitz vom Bankomaten von da Raiffeisenkasse hot steckn miassn, wor Schluss mit lustig. Die Gamsbortkommunistn hobn ihn bei da Kiberei anglahnt und der Florian hot net nur a Jugendstrof ausgfosst, er is obendrein von seim Vota verdroschn wordn und hot sie net mehr mit da Moni treffn diafn.
Ihr wor des net wurscht, es wor ihr gleichgültig.
Sie hot zu der Zeit schon erkannt ghobt, dass ihr schworze Seele von am sehr schönen Körper umfangen wor und dass sie wegen ihrer Schönheit quasi sakrosankt wor, no dazua in Gratwein, wo die feschn Madln eher dünn gesät worn, im Gegensotz zu den typischen Bauerntrutschn mit rosarote Backerln im Gsicht und ausladenden woanders.
Ihre Altvorderen hobn bald die Hoffnung aufgeben, dass aus dem Dirndl no wos Gscheits wird. A Lehre zur Frisörin hot die Moni ebenso obbrochn wie die Ausbildung zur Wurschtverkeiferin, obwohl des zu ihr passt hätt, denn im Keifen wor sie guat.
Sie is am Tog bloß auf da faulen Haut glegn und an den Abenden san die Berschn kumman und hobn si zu ihr glegt.
Dann hot sie zum Saufen angfangen.
Weil die Moni net viel Geld ghobt hot, hot sie si einlodn lossn und so hot es sich folgerichtig ergeben, dass ihre Zahnbürschtln auf etliche Häuser in Gratwein verteilt worn.
Ihr Vota hot es mit der Leber kriagt und kurz noch ihm is a ihr Muatta auf dem Dorffriedhof zum Liegn kumman. Besucht hot die Monika des Grob nie, denn der Gratweiner Knochnacker wor ihr unheimlich, unterm Tog und ohne Gsöllschoft wenigstens.
Net lang hot es dauert, do hot sie den Hof verkaufn miassn und is zum Manfred Einwald zogn. Der wor a Häfnbruada, wie er im Buach steht - lange Zottn, Peckerln und a Corvette in da Garage. Der Wogn hot hintn an Aufkleber ghobt: ‘Noch so a Ding: Augenring! No so a Spruch: Rohrbruch!’
Man kann sogn, dass die Reiterin an Aufstieg hinglegt hot. Wors zerst nur a Deitscha Krocha im Bankomat, so wor es dann a Stangl Dynamit, damit es si jo lohnt. Beweisen hot man den beiden Falotten nix kennan, doch gwusst hot des ganze Dorf, wer die Missetäter worn.
Der Ort, in dem sonst nur brave Leit hausn, hot viel mitgmocht mit dem Pärchen. Gwülderte Rehe und Sauen, aufgstochene Autoreifn, einige vor der Zeit verblichene Kotzn und Hund, und die Gschicht mit der Sau vom Gruber.
Der Gruber hot an Bauerhof und auf diesem a Gostwirtschoft. Dort worn die Reiterin und der Einwald oft zum Pokuliern. Bis er ihnen Lokalverbot gebn hot, weil sie mit die anderen Gäst andraht hobn.
Zwa Tog später san die beiden auf den Hof vom Gruaba gaungan, reglrecht hingschlichn hobn sie si, hobn die beste Sau, a prämierte Zuchtsau, aus dem Stoll gholt und mit roter Forb angschütt. Dann sans in die Goststubn glaufen und hobn brüllt: “Gruaba, kumm schnöll aussi! Dei Farl is verletzt!”
Da Gruber rennt aussi, siecht die Sau, denkt sie wär voller Bluat, rennt eini hintern Tresn, holt sei Flinte, die er immer glodn unter der Theke liegn hot, weil ma waß jo nie, rennt wieda aussi und draht des Farl ham.
Na, mehr hots net braucht. Der ganze Ort wor in Aufruhr ob des Todes von der preisgekrönten Sau und dieses Mol wor klor, wer die Schuldigen worn.
Die Moni hot die Schuld dem Einwald zuwigschobn und der hot in seiner Not, wegen aner Bewährungsgschicht, weder aus no ein gwusst, also is er in sei Corvette eingstiegn und hot den Hobl am End von der letztn Ausfohrt in an Kastanienbaum lossn.
Die Reiter Moni hot wieda a Haus ghobt.
In dem hot sie bald an florierenden Handl aufzogn - mit si sölba.
Die Damen in Gratwein hobn relativ geringe Probleme damit ghobt, dass ihre Göttergatten auf a Stund oder zwa zur Moni gangen sind. So worns, wenns hamkommen sind, wenigstens friedlich und hobn ihre Frauen in Ruh glossn, die eh lieba in der Brigitte blattlt habn.
Es hätt alles guat bleibn können, wenn die Reiterin si net in den Moritz, den Haberer von der Simone, verguckt hätt.
Dem hot sie ihre Gunst gratis zuteil werdn lossn, und der Typ is, nur logisch, jeden Tog bei der Monika auf da Mattn gstandn.
Des hot die Simone spitzkriagt und in der Folge der Moni an Besuch abgstattet, der für die Reiter letal ausgangen is, aber erst a paar Tag später, denn sie hot den Kuchen net glei essen wolln, wegen ihrer fürs Geschäft net unwichtigen Linie.
Das Durchatmen, das dem Tod von der Moni gefolgt is, is bald am gequälten Seufzen gwichen, nämlich dem der Gratweiner Ehefrauen, die ihre Brigitte-Heftln hobn weglegen miassn.

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