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Sonntag, 21. August 2016

Roland, der Barista




Roland war ein Barista, wie der Gott der braunen Bohnen ihn nicht hätte wahrhaftiger erschaffen können. Seine einzige Passion war der Kaffee, dessen Zubereitung und sein Geschmack. Espresso, Silenzio, Ristretto, er beherrschte sämtliche Disziplinen des Erfreuens zahlender Gästeschaft durch das Brühen dieser Arten von Kaffeegetränken, es war ihm eine Freude, eine Passion war es ihm, guten Kaffee zu brühen. Er achtete stets auf das Wichtigste bei der Zubereitung guten Kaffees, nämlich auf die Sauberkeit, die beinahe keimfreie Reinheit seiner Utensilien zur Bereitung des Heißgetränks. Er putzte immerzu das Sieb, den Wassertank und die Leitungen, durch welche das heiße Wasser fließt, um sich mit dem Pulver, also den gemahlenen Kaffeebohnen, zu vermengen, durch diese zu dringen, um durch die Hitze und den Druck, die dem Wasser innewohnen, ein Getränk zu brühen, von welchem Roland dachte, es wäre die Welt, und in der Tat war es seine Welt. Er hatte mit unzähligen Sorten von Bohnen Versuche durchgeführt, um zu erfahren, welche dieser Sorten das beste Ergebnis generierte, mit welcher er am besten leben konnte, welche seinen Gästen und ihm selbst am besten bekam, und hatte die Ergebnisse seiner Versuche in einem Schreibheft dokumentiert, um eine Art Überblick zu haben über die Empfindungen, die ihm und seinen Gästen beim Kosten der verschiedenen Kaffees, der Endprodukte der unterschiedlichen Röstungen, gekommen waren. Er war zu dem Schluss gelangt, dass Bohnen italienischer Produzenten die besten waren, dass es jedoch auch auf die Qualität des Mahlwerks ankam, Roland hatte erkannt, dass bereits in gemahlenem Zustand gekaufter Kaffee durch die Luft, die ihm beim Öffnen des Behältnisses, in welchem er gelagert, unweigerlich zugesetzt wird, sein Aroma verliert, denn es verhält sich so, dass die Messer eines Mahlwerks durch den beständigen Kontakt mit harten Kaffeebohnen stumpf werden, was zur Folge hat, dass sie die Bohnen nicht mehr in kleine Stücke hacken, wie es sein soll, sondern sie, die Bohnen, zerquetschen, was Abfall zur Folge hat, einen Abfall des Geschmacks des gebrühten Getränks von der Qualität, die durch gut, also ordnungsgemäß funktionierende Messer, also hackende Messer des Mahlwerks erzielt werden kann, somit den Kaffee in eine gewöhnlich schmeckende Brühe verwandeln. Roland lehnte es stets ab, Kleinigkeiten auf die Unterteller seiner Kaffeetassen zu legen, wie kleine Stücke Schokolade oder Backwerk in minimalistischer Ausführung, der Geschmack seines Kaffees war ihm genug, war ihm ausreichend, und seine Gäste liebten ihn für diese Haltung. Zweimal wurde Roland Staatsmeister bei den nationalen Baristawettbewerben. Seine Medaillen lagerte er, ein echter Barista eben, unter seiner geliebten, stets chromblitzenden Kaffeemaschine. Er achtete auch stets auf die Qualität des Wassers, welches er zur Bereitung seines Kaffees verwendete. Er war dahinter gekommen, dass das Wasser in der Stadt, in welcher er sein Brühwerk verrichtete, in hohem Ausmaß mit Kalk angereichert war. In zahllosen Versuchen war es ihm gelungen, die richtige Mischung zu ermitteln, die guten Kaffee ermöglichte. Seine Gäste liebten ihn und den Kaffee, den er brühte, sie fragten oft nach der Substanz, die er zusetzte, sie wollten zu Hause ebenso guten Kaffee brühen, doch Roland gab sein Geheimnis nicht preis. Roland begann an einer Art Schwäche seiner Blase zu leiden, und seine Gäste begannen, sich über die, ihrer Ansicht nach, schlechter werdende Qualität des von ihm gebrühten Kaffees zu alterieren. Ein Besuch beim ersten Urologen der Stadt, in der Roland lebte und wirkte, brachte Klarheit. Er litt an fortschreitender Blasenschwäche, die, das hatten chemisch-medizinische Analysen ergeben, eine Veränderung des Gehalts von Salz in Rolands Urin zur Folge haben würden, und dies ebenso unweigerlich wie irreversibel. Am Tag der Analyse hörte Roland auf, Kaffee zu brühen. Sein Kaffee hätte niemals wieder an die gewohnte Qualität heranreichen können.

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