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Donnerstag, 4. August 2016

So a Lausbua!






“Vota, kumm owa!”, rief Martin Möstl.
Aus dem Hochstand erhielt er Flüche als Antwort.
“Martl, Du Lausbua!”, brüllte Franz Möstl. “Jetzt host ma des Wüldschwein verscheicht, Du Krot!”
Martin hörte Poltern und wusste dass sein Vater das Gewehr auf den Boden geworfen hatte. Franz Möstl kam aus der Kabine und torkelte die Leiter hinab.
“Wort nur, jetzt setzt es wos, Du Lauser!”, lallte der Alte.
Mit hochrotem Kopf stand er vor seinem Sohn.
“Sog, spinnst? Die Sau is weg, die kummt heit nimmer außi! Wos is denn so wichtig?”
“I muass mit Dir redn, Vota.”
“Wos host ausgfressn?”
“I brauch a größere Summe von Dir.”
Franz schüttelte den Kopf.
“Na, sichalich net! Du kriagst nix von mir, Du Falott!”
“I brauch aber a Göld!”
“Host scho wieda Schuldn gmocht?”
“Sozusogn.”, sagte der Sohn kleinlaut. “I muass morgen zehn Tausender zohln, sonst kummt wer vorbei und tuat ma wos an.”
“Des is net mei Problem, Du Pülcha! A Watschn kannst hobn.”
“Geh, Vota, Du host eh so vü Göld! Gib ma doch des bissl!”
Franz Möstl war in der Tat reich. Als größeter Bauer im Umkreis von fünfzig Kilometern galt er als der reichste Einwohner Gratweins, einem kleinen Dorf in der Nähe von Graz.
Martin Möstl, der einzige Sohn von Franz und dessen verstorbener Frau Helga, war ein Versager. Er hatte die Schule abgebrochen und war nie einer ordentlichen Arbeit nachgegangen. Richtig gut war er nur im Trinken. In dieser Disziplin konnte ihm im, an Alkoholikern nicht gerade armen Dorf, niemand das Wasser reichen - dieses hätte er jedoch ohnehin abgelehnt.
“Wo host denn die Schuldn gmocht?”
“Beim Erwin, in seim Lokal.”
“Supa, Bua! Host scho wieda den großen Zampano aussihängen lossn, im Nochtklub. Waßt, wenn i so drüber nochdenk, bin i direkt froh, doss Dei Muatta des net mehr erleben muass, Du Depp!”
“Die Muatta is bloß so fruah gstorben, weil Du so a Tyrann bist!”, rief Martin Möstl und raufte sich sein schulterlanges Haar. “Die Muatta hot des horte Leben mit Dir nimmer ausgholten, deswegen hot da Krebs sie gholt!”
“So a Blödsinn! Die Helga is tot, weil Du sie ins Grob brocht host, Martl! Sie hot net ertrogen, so an Gauner wie Di in die Wölt gsetzt zu hoben!”
“I bin ka Gauna, Vota!”
“Sichalich bist Du ana! Grod host ma die Wüldsau gstohln, die i im Visier ghobt hob.”
“So wie Du noch Zülwossa stinkst, hättest Du die Sau net amol mit an Maschinengwehr troffn!”
“Wenn i mir Dei Schwester anschau - die kummt imma mit dem Göld aus”, rief Franz.
“Na klor kummt die aus! Die kriagt jo zehnmol so vül von Dir!”, schrie Martin.
Klara, Martins Schwester, war das Liebkind der Familie. Sie hatte Karriere als Flötistin in der Gratweiner Marktmusikkapelle gemacht und war eine Weltberühmtheit im Dorf.
“Die hot des a verdient, Martl! Und jetzt sog i Dir no wos: die Klara kriagt den Hof und des gaunze Vermögen, jawoll! Glei morgen geh i zum Notar und enterb di!”
“Vota!”, sagte Martin mit brüchiger Stimme. “Des geht doch net. Des kaunnst Du ma doch net antun!”
“Wirst scho sehn, dass i des kann, Du Buakrot!”
“Und wovon soll i leben?”
“Gehst holt zu dDeina Schwester und frogst sie. Vielleicht braucht sie no an Knecht.”
“Die Klara is doch net dafür gemocht, den Hof zu führen!”
“Des is ma wurscht, Martl! Morgen überschreib i ihr den Hof und Du derfst schaun, wo du bleibst!”
Martin Möstl sah sich in seiner Existenz bedroht. Die Aussicht, dass seine Schwester das Gehöft übertragen bekommen würde, bedeutete nichts anderes, als dass er sein kleines Zimmer über der Garage würde räumen müssen. Er hatte kein besonders gutes Verhältnis zu Klara und die Chancen standen schlecht, dass sie ihm helfen würde.
“Vota, bitte tua des net! I bin jo Dei einziga Bua!”
“Des is beschlossene Soche, Martl. Und jetzt schleich Di aus meim Revier!”
Martin stieß seinen Vater zur Seite und erklomm den Hochstand. Er hob das Gewehr des Alten auf und kam damit herunter.
“Du zwingst mi, des zu tun, Vota!”, rief er verzweifelt.
Franz Möstl lachte.
“Du kaunnst Di ruhig umbringen, Martl!”, sagte er trocken. “Um Di is eh net schod!”
Martin lud die Waffe durch und entsicherte sie.
“Vota, bitte gib ma die Kohle!”, brüllte er. “I versprich Da, dass i nie wieda in des Lokal vom Erwin einigeh!”
“So a Bledsinn!”, rief Franz. “Du wirst nie an ana Bar vorbeigehn kennen, wenn draußn a rote Latern brennt.”
“I hör mit dem Saufen auf, Vota!”
“Scho wieda a Lüge! Du host scho Dei gaunzes Leben lang olles vasoffen. Erst jeden Schülling, dann jeden Euro. Es wundert mi wirklich, doss sie Di no net in den Häfen gsteckt hobn!”
“Vota, wenn i dem Erwin die zehntausend Euro morgen net gebn kaunn, passiert wos Schlimmeres mit mir als in den Häfen zu gehn.”
Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, warf Martin Möstl das entsicherte Gewehr auf den Boden. Ein Schuss löste sich und das Projektil schlug in die Vordertüre des Geländewagens von Franz ein. Der Alte lief zu seinem Wagen, beäugte den Schaden und kam dann wild gestikulierend auf seinen Sohn zu.
“Der Wogn kaunn nix für Dei Blödheit!”, brüllte er.
“Vota, des wor a Unfoll! A Missgeschick!”, stammelte Martin.
“Wort nur, Du Lausbua, dafür werd i mi rächen!”, rief der Vater, hob die Waffe auf und feuerte auf den alten Motorroller seines Sohnes. Er traf den Tank und der Roller ging in Flammen auf.
“Mei Vespa! Du host mei Vespa hingmocht!”
“Des gschieht Da recht!”
“Wie soll i denn jetzt heimfohrn?”
“Des is ma wurscht, Martl! Dann fohrst holt net! Laufn is eh gsund, sogt ma.”
Da erkannte Martin Möstl die Verfahrenheit der Situation. Der Weg zum Hof hätte ihn zwei Stunden gekostet, Zeit, die er in einem der zahlreichen Gasthäuser des Dorfes besser nutzen konnte.
Er startete einen letzten Versuch, seinen Vater umzustimmen.
“Vota, und wenn i Da versprich, doss i ma an Job such und mit dem Saufen Schluss moch? Kriag i daunn die zehn Tausender?”
“Jetzt loss mi in Ruah, Du Lausbua!”, brüllte Franz Möstl.
“Dann hob i leida ka aundere Wohl, Vota!”, stellte Martin fest und entriss seinem Vater die Flinte.
“Bringst Di holt um!”, sagte der Vater achselzuckend.
Ein Schuss fiel, und Franz Möstl starrte ungläubig auf seinen Sohn. Dann sah er an sich herab und starrte auf seine Brust. Blut sicherte aus einer Wunde und verfärbte seine Jacke.
“Martl, Du Lausbua!”, rief der Alte und taumelte nach hinten.
“Vota, daran bis Du schuld, nur Du!”
Martin lud die Waffe und gab einen zweiten Schuss ab. Franz Möstl brach leblos zusammen und sein Sohn legte die Flinte auf den Rücksitz des Geländewagens.
Er fuhr nach Hause und besuchte Erwins Nachtklub.
“Erwin, morgn kriagst Dei Geld!”
“Des freut mi, Martl!”, gab der Bordellier zurück. “Host Dein Vota doch no rumkriagt, Du Lausbua?”
“Sozusogn.”

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