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Dienstag, 20. September 2016

Oswald, ein Österreicher





Ich bin der Oswald Pimplhuber, aber alle sagen Ossi zu mir.
Ich bin achtundfünfzig Jahre alt und von Beruf Pensionist. Also, Frühpensionist.
Ich war bei der Bahn, also, bei der ÖBB, aber die haben mich nach einem Arbeitsunfall nach Hause geschickt. Am Abend vor dem Unfall sitze ich noch bis vier in der Früh mit den Chefs beisammen, und dann, am nächsten Tag, nach dem Unfall, werfen sie mich raus. Dabei haben ja die Chefs alle vierzehn Runden geblecht. Also, die Runden Schnaps. Die Biere und Mischungen habe ich mir schon selbst bezahlt, Ehrensache.
Mit dem Trinken hab ich es ja nicht so. “Ossi, trink ma noch an fünfzehnten Schnaps!” Das hör ich oft. Aber da kenn ich nix. Da bin ich standhaft. Vierzehn Schnaps am Abend sind genug. Ich mein, ich bin ja kein Trinker. Naja, Bier trink ich schon gerne. So zum Aufstehen in der Früh nicht unbedingt, aber dann, am Vormittag, gehn schon zwei oder drei Stück.
Bei der ÖBB haben wir immer Motivationsbiere dazu gesagt. Und sind es doch einmal mehr geworden am Vormittag, dann war die Rede von Leistungsbieren. Und dann werfen sie mich raus. Meinen Posten hat jetzt sicher ein Tschechoslowak.
Schon mein Grossvater hat die nicht mögen, der war halt noch ein echter Österreicher. Der hat keine leichte Jugend gehabt, meiner Seel!
Im Alter von siebzehn Jahren ist er aus der Tschechoslowakei nach Österreich gekommen. Waldarbeiter war er von Beruf. Von fünfzehn Jahren weg bis zu seinem Tod. Wie er nach Österreich gekommen ist, hat er noch Pavel Pimslhuvar geheißen. Aber er hat sich umtaufen lassen auf Paul Pimplhuber. Ein echter Österreicher halt.
Er hat brav deutsch gelernt und bald erkannt, was die Tschechoslowaken für Falotten sind. Na, wir Österreicher sind da schon besser. Viel gescheiter und ehrlicher.
Sein Sohn, mein Vater, war der Hermann Pimplhuber, a waschechter Österreicher. Er war Geldeintreiber nach dem Krieg, ein besonders erfolgreicher noch dazu. Leistenbruch-Hermann haben die Leute ihn genannt.
Und dann bin ich gekommen, der Ossi. Als ich in der Schule einmal meine Familiengeschichte hab erzählen müssen, haben mich zwei Klassenkollegen dann auf dem Schulhof aufgezogen. Sie haben mich gefragt, ob ich deswegen Oswald heiße, weil mein Großvater aus dem Osten gekommen ist und Waldarbeiter war. Na, denen hab ich es aber gegeben. Aber ganz ordentlich! Ich hab ihnen ihre großen Nasen eingehaut. Richtige Synagogenschlüssel haben die im Gesicht gehabt, die Kollegen Rosenberg und Morgenstern.
Also, eines muss ich schon sagen: Ich hab schon was gegen die Juden! Der Kreisky hat schon recht gehabt, wie er den Wiesenthal beschimpft hat. Ich mein, der Kreisky hat es ja wissen müssen. Als echter Österreicher, als Arier. Ja, die Juden, die hab ich nicht gern. Nie gehabt.
Da sind mir sogar noch die Russen lieber. Der Abramowitsch und der Wexelberg zum Beispiel. Das sind erfolgreiche und gute Männer. Oder der Schlaff, der is sogar Österreicher. Was die alles erreicht haben. Da können sich die Juden eine Scheibe abschneiden. Aber was red i. Das wissen eh alle. Das mit den Juden ist dasselbe wie mit den Polaken.
Die kommen nach Österreich und kriegen den Hals net voll. Neulich hab ich mit so einer Polakin zu tun gehabt. Ein Desaster war das. Da bin ich so nett zu der und dann will sie an der Bar noch einen Piccolo saufen. Die glauben wohl, ich bin ein Geldesel. Aber das bin ich nicht. Ich hab schließlich hart arbeiten müssen für meine Frühpension.
Und dann erst die Neger. Da hab ich einmal so eine Negerin kennengelernt und die wollte gleich ins Bett mit mir. Ich meine, ich kann das schon verstehen, so ein gstandenes Mannsbild wie ich bin. Aber die wollte extra Geld fürs Küssen. Also so was! Das is mir bei ihren Artgenossen nie passiert. Weder in Österreich noch in Kenia.
Dort is es überhaupt super. Dort brauchst bloß ein bisschen zeigen, dass du ein Geld hast, und schon werden die Eingeborenen ganz zutraulich. Vor allem die Frauen. Toll. Aber in Österreich, also, ich weiß nicht.
Ich mein, den Augustin kauf ich mir schon gern, und den schreiben ja die Neger. Also zumindest die, die nicht dealen. Am besten im Augustin find ich den Tschocherl-Report. Mir is ja oft langweilig und durch den Report lern ich viele tolle Beiseln kennen. Und teuer is es dort auch nicht. Also, das Trinken.
Da hab ich neulich in so einem Tschocherl einen Bekannten troffen, von früher. Der is jetzt ein Strizzi, also, ein Zuhälter. Er hat mir Fotos zeigt von seinen Huren. Ich find das ja widerlich, mit solchen Frauen zu tun zu haben. Aber er hat gesagt, er macht mir einen Spezialpreis. Und Mengenrabatt krieg ich auch. Vielleicht dann, wenn ich gleich zwei auf einmal bestelle. Das wär schon toll. Mal schaun.
Ich führe ja eh ein gutes Leben. Was brauch ich da zum Beispiel die Religion. Also, ich hab ja nix gegen den Jesus oder den Gott. Obwohl ich beim Nageln sicher lustiger dreinschau als der Jesus. Ich mag halt die ganzen Skandale mit den Pfarrern und den Buben nicht. Ich finde das nicht gut.
Ich mein, ich verstehe schon, dass es hart ist, wenn man keine Frau haben darf, aber Buben sind auch keine Lösung.
Einmal war ich auf Urlaub in Kambodscha. Und da haben sie mir ein Kind unterjubeln wollen. Einen kleinen Buben. Ich war sehr zornig und hab abgelehnt. Ich mein, ich bin ja nicht schwul! Ich mag die Schwulen gar nicht. Ich mein, das ist ja gegen die Natur von Mann und Frau!
Da hab ich neulich ein Hemd anprobiert und der Verkäufer hat mich so komisch angeschaut. Der war sicher schwul. Ich bin dann gegangen. Ohne Hemd. Von einem Schwulen will ich nichts. Dabei war das ein Armani Hemd. Also was Teures. Aber so nicht, nicht mit dem Ossi. Und außerdem haben die in dem Laden so komische Musik gespielt, was Modernes.
Ich mag die moderne Musik ja gar nicht. Überall im Fernsehen spielens den Schrott. Furchtbar. Ich mein, einen Musikcomputer programmieren, das kann ich auch. So wie der Gabalier müsstens spielen, das gfallt mir.
Wo war i noch gleich? Aja, beim Computer.
Ich find den super. Also, das Internet, was ich da für Informationen rauskriege, schon toll. Und so viele gute Filme habens da. Früher hab ich mir ja immer die Karlich angeschaut, wo die Leute erzählen, was ihnen wehtut. Damals war das schon toll. Aber heute kann ich mir selber aussuchen, was ich mir anschau. Im Internet. Da jammert niemand. Eigentlich komisch. Oft frage ich mich, ob das den Mädchen in den Filmen nicht wehtut. Aber die lachen alle und wollen dann auch noch einen Kamm in Mund. Komisch. Aber die Burschen in den Filmen verstehen das immer irgendwie falsch.
Aber so ist die heutige Jugend halt.
Die is generell dem Untergang geweiht. Damals, als ich noch jung war, da war es noch gut. Mein Lehrherr war der ehemalige Kreisleiter. Ein feiner Kerl.
Eigentlich hätte er ins Parlament sollen, aber dann war da so eine dumme Geschichte mit der SS. Wär ich damals so angezogen in die Lehre gegangen, wie heut die Krocher zum Beispiel, boah, da wär ma zusammengekrocht. Die heutige Jugend hat net mehr den Anstand, zum Beispiel eine alte Frau über den Zebrastreifen zu begleiten.
Ich hab das immer gemacht, wie ich jung war. Und jedes mal hab ich ein Geld dafür gekriegt. Naja, manches Mal war ein leichter Druck notwendig. Oder sag ma besser Verhandlungsgeschick. Da hab ich zu der alten Frau in der Mitte vom Zebrastreifen einfach gsagt “Du, Muattal, gib ma jetzt a Geld, oder i geh allein weiter!”
Ja, wir haben damals noch gwusst, was Respekt ist. Die heutige Jugend kennt das ja gar nicht mehr.
Die rennen herum mit grünen Haaren und Peckerln, wie die Leute aus dem Häfen. Wenn das der ehemalige Herr Kreisleiter gesehen hätt. Den hätt glatt der Schlag getroffen. Das is die antiautoritäre Erziehung. A Irrweg.
Wenn mir meine Frau net weggelaufen wäre, also ich hätt meine Kinder megaautoritär erzogen. Eine blöde Meldung, und Klatsch. Eine schlechte Note, und Patsch. Einmal net aufessen, und Watsch. Aber ich hab ja noch keine Kinder.
Obwohl ich glaub, meine Gene sind so gut, dass ich sie weitergeben sollt. Aus dem Grund hab ich mir eine Kenianerin bestellt, also, fürs ganze Leben. War gar net so teuer. Die Untersuchung, ob sie fruchtbar is, hat sie bestanden. Und i freu mich auf mei neue Frau. Ich hab natürlich eine Albino-Kenianerin bestellt. Wegen der Nachbarn. Damits net so auffallt.
So, i geh jetzt ins Bett. Machts es gut! Euer Ossi.

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