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Mittwoch, 12. Oktober 2016

D. E. d. F., Kapitel 12

12


Pater Vinzenz brachte es nicht fertig, ernst zu bleiben. »Bitte vergeben sie mir mein Lachen, Michael.«
»Warum lachen sie?«
»Sie gehen das alles viel zu schnell an, mein Sohn.«
»Zu schnell? Das verstehe ich nicht.  Jetzt weiß ich ja, woran es liegt, dass ich kein zufriedener Mensch bin, und kann daran zu arbeiten beginnen, damit sich das ändert.«
»Du musst dir Zeit geben, Michael. Wenn du anfängst, übereilt zu handeln, bist du schnell wieder an deinem Ausgangspunkt.«
»Christina hat recht, Michael. Jetzt sind sie euphorisch und voller Tatendrang, was nur verständlich ist. Das umso mehr, als sie nun erkannt haben, was sie ohnehin schon immer gewusst haben, aber nicht wahrhaben wollten.«
»Ich bin mir nicht sicher, ob ich es gewusst habe.«
»Doch, Michael, tief in deinem Inneren hast du es gewusst. Du hast dieses Wissen bloß tief vergraben, um nicht von ihm belästigt zu werden.«
»Wissen zu haben und es bewusst wegzuschieben, um sich ihm nicht stellen zu müssen und nicht das tun zu müssen, was dieses Wissen gebietet, ist nur menschlich. Das mag auch in Ordnung gehen bei Kleinigkeiten, über die man leicht hinwegsehen kann, weil kein großer Schaden entstehen kann. Aber in ihrem Fall, Michael, geht es um keine Kleinigkeit. Es geht um das Wertvollste, was sie haben. Um ihr Leben.«
»Genau darum geht es, Michael. Du bist erst sechsunddreißig Jahre alt, also gibt es keinen Grund, die Dinge vorschnell anzugehen. Gib dir Zeit und lass die Dinge auf dich zukommen. Und wenn du ein paar Monate brauchen solltest, bis du weißt, was du machen möchtest, dann ist das eben so.«
»Ihr habt ja recht. Ich war wohl wirklich zu euphorisch und wollte, dass alles sofort passiert.«
»Das mit dem sofort passieren ist eine gute Phrase. Sie passt genau auf dich.«
»Warum? Ich bin sicher kein ungeduldiger Mensch.«
»Doch Michael, das bist du.«
»Hast du mich je ungeduldig erlebt? Ich glaube nicht.«
»Nein. Mir gegenüber warst du das nie, das stimmt. Aber was war in der Nacht im Zug? War es nicht deine Ungeduld, die dich den Zug nehmen ließ? Weil du wolltest, dass dein Unwohlsein sofort verschwindet?«
»Vielleicht war es auch Panik, die Michael so hat handeln lassen«, warf Vinzenz ein. »Aber darum geht es nicht. Wir sitzen hier, um Michael einen Weg zu zeigen, wie er sein Leben, ich würde nicht sagen in den Griff bekommt, aber doch wie er es in andere Bahnen lenken kann.«
»Was also soll ich tun?«, fragte Michael. »Soll ich einfach warten, bis mir etwas einfällt, das ich als meine Aufgabe bezeichnen kann?«
»Nein, das sollen sie nicht tun.«
»Vielleicht solltest du nach einem Ort suchen.«
»Aber Christina, ich denke, wir waren uns einig, dass sich mein Ort von selbst ergeben wird. Wenn, wie du gesagt hast, alle Faktoren zusammenspielen.«
»Ich glaube, ihre Freundin spricht nicht von ihrem Ort, so wie sie ihn lange Zeit gesehen haben. Sie meint wohl einen Ort der Stille, an dem sie zur Ruhe kommen können. Wo sie über ihr bisheriges Leben reflektieren und neuen Mut fassen können.«
»Mut habe ich inzwischen mehr als genug.«
»Seien sie vorsichtig, Michael. Wenn sie vorhaben, ihr Leben von Grund auf zu ändern, kann es angesichts der Größe dieser Aufgabe und der Schwere der Entscheidungen, die sie zu treffen haben werden, leicht sein, dass ihr Mut sie verlässt.«
Michael seufzte. »Ich weiß schon, dass es nicht leicht werden wird. Und ich gebe zu, dass ich keine Ahnung habe, was mir bevorsteht, bis mein Leben besser wird. Innerlich bevorsteht, meine ich.«
»Und deshalb ist es wichtig, dass du zur Ruhe kommst, bevor du dich an diese Aufgabe wagst.«
»Also muss ich nun doch meinen Ort suchen?«, fragte Michael grinsend. Christinas genervter Blick ließ ihn jedoch schnell relativieren: »Ich meine einen Ort, nicht meinen.«
»Sie sollten nach einem solchen suchen«, sagte der Pater. »Das ist keine Pflicht, doch würde es ihnen leichter fallen, das zu bewerkstelligen, was vor ihnen liegt. Glauben sie mir, ich weiß wovon ich spreche. Die Ruhe hat nicht nur mir selbst geholfen, auch vielen anderen Menschen hat sie geholfen. Ich konnte das oft beobachten.«
»Christina, erinnerst du dich an die Frau in Florenz, von der ich dir erzählt habe?«
»Ja. Die, die sich umbringen wollte und dann eine Weile in einem Kloster war.«
»Sehen sie, Michael? Auch dieser Frau hat ein Ort der Stille gut getan.«
»Aber sie haben doch gesagt, dass ein solcher Ort auch meine Wohnung sein kann. Oder sogar eine Straße.«
»Das ist richtig, ich habe das gesagt. Aber ich sagte auch, dass es das Wichtigste ist, auf seine innere Stimme zu hören.«
»Also muss es nicht zwangsläufig ein richtig ruhiger Ort sein.«
»Es würde dir dort aber leichter fallen«, sagte Christina.
»Ihre Freundin hat recht. Wenn man auf sich selbst zurückgeworfen werden möchte, kann es nur helfen, so wenig wie möglich von außen wahrzunehmen.«
»Aber in ein Kloster gehe ich sicher nicht.«
Pater Vinzenz lachte. »Das habe ich mir schon gedacht. Ich kann ihre ablehnende Haltung sogar nachvollziehen. Als ich in ihrem Alter war, hätten mich keine zehn Pferde in ein Kloster gebracht.«
»Vielleicht irgendwo auf dem Land?«, meinte Christina. »Warum mietest du dir nicht eine Wohnung oder ein kleines Haus auf dem Land? Dort hättest du Ruhe. Du könntest nachdenken, planen und sogar schreiben, wenn du willst. Und wenn dein Unwohlsein wiederkommt, dann hackst du Holz und reagierst dich auf diese Art ab.«
Michael lachte. »Holzhacken. Warum nicht?«
»Sie schreiben?«, fragte der Mönch. »Was denn, wenn ich fragen darf.«
»Storys, Gedichte, Satiren und so was. Nichts von Bedeutung.«
»Sagen sie das nicht. Wenn es ihnen hilft, dann ist es von Bedeutung. Haben sie seine Texte gelesen, Christina?«
»Ja, Vinzenz, das hat sie. Und sie haben ihr nicht gefallen.«
»Warum nicht, Christina?«
»Er hat mir drei seiner Gedichte gezeigt. Und die waren dunkel, um es mal vorsichtig auszudrücken.«
»Haben sie sie geschrieben, als sie sich unwohl gefühlt haben?«
»Ja, das habe ich.«
»Und ist es ihnen nach dem Schreiben besser gegangen?«
»Ja, ein wenig.«
»Na bitte. Somit haben ihre Texte ihren Zweck erfüllt.«
»Aber sie sind furchtbar zu lesen«, sagte Christina. »So deprimierend.«
»Vielleicht sollten sie solche Texte in Zukunft niemandem zeigen.«
»Das hat Christina auch gesagt. Ich werde wohl vorsichtiger werden müssen.«
»Der Vorschlag ihrer Freundin ist sehr gut. Eine Wohnung oder ein kleines Haus auf dem Land ist für sie sicherlich ein geeigneterer Ort als ein Kloster.«
»Doch wo auf dem Land soll ich mir was mieten?«, fragte Michael. »Und schon wieder sind wir bei der Suche nach dem Ort«, fügte er lachend hinzu.
Diesmal lachten auch Christina und Vinzenz.
»Du kommst doch aus der Steierma-«
»Nein«, unterbrach Michael sie. »Dort ganz sicher nicht. Dort hätte ich keine Ruhe um nachzudenken. Ich müsste mich die ganze Zeit über die Leute dort aufregen.«
»Und hier, in Italien?«, fragte der Pater.
»Ich weiß nicht. Eher nicht. Vielleicht auf einer Insel.«
»Dann miete dich doch auf Capri ein«, schlug Christina vor, doch es lag ein Ton in ihrer Stimme, der offenbarte, dass sie das scherzhaft meinte.
»Capri ist eine gute Idee. Und wenn ich damit fertig bin, mich über die bessere Gesellschaft dort aufzuregen, sind drei Jahre vergangen und ich bin noch immer nicht zum Nachdenken gekommen«, meinte er.
»Sardinien ist sehr schön.«
»Doch gehört es zu Italien. Nein. Korsika. Ja, das ist es. Ich werde mich für ein paar Wochen auf Korsika niederlassen.«
»Waren sie schon einmal dort?«
»Nein. Aber das ist vielleicht ein Vorteil. Ich kenne nichts und niemanden dort, also bin ich sicher nicht abgelenkt.«
»Sprichst du französisch?«
»Radebrechend. Aber ich werde schon nicht verhungern.«
»Und wann geht es auf nach Korsika?«
»Zuerst muss ich zurück nach Wien. Ein paar Sachen regeln, mit meiner Wohnung und der Post. Aber danach kann es losgehen.«
»Bedenken sie, Michael, dass sie nichts erzwingen dürfen. Geben sie sich die Zeit, die sie brauchen. Dann wird alles in Ordnung kommen.«
»Das werde ich, Pater Vinzenz. Wie kann ich ihnen jemals danken?«
»Sie habe sehr viel für ihn getan, Vinzenz. Und nachdem Geld für ihn kein Problem darstellt, spendet er ihrem Kloster gerne etwas. Oder, Michael?«
»Selbstverständlich«, beeilte der sich zu sagen.
Der Pater winkte ab. »Behalten sie ihr Geld. Sie sind noch jung, und wer weiß, wofür sie es noch brauchen werden.«
»Aber wie kann ich mich dann erkenntlich zeigen?«
»Besuchen sie mich einfach, wenn sie wieder nach Rom kommen. Und erzählen sie mir, wie sich ihr Leben verändert hat.«
»Das werde ich. Versprochen.«
Christina und Michael verabschiedeten sich von Pater Vinzenz. Auch sie versprach, ihn zu besuchen, wenn sie das nächste Mal in Rom wäre. Er begleitete sie zum Tor des Klosters, wo sie sich alles Gute wünschten.

»Es war die richtige Entscheidung.«
»Welche, Michael?«
»Ein zweites Mal zu ihm zu gehen.«
»Dabei wolltest du das erst nicht.«
Er küsste sie. »Aber du hast besser gewusst, was gut für mich ist.«
»Also, was tun wir? Sofort die Sachen packen und zurück nach Wien?«
»Erst gehen wir was essen. Und heute fahren wir sicher noch nicht zurück. Das soll ein ganz besonderer Abend werden.«
»Was machen wir denn heute?«
»Ich würde sagen, wir essen eine Kleinigkeit und gehen dann zurück ins Apartment. Und am Abend gehen wir fein essen und danach in eine nette Bar.«
»Klingt gut.«
»Und du kannst, wenn du möchtest, deine Handtasche zum ersten Mal ausführen.«
»Die ich bislang sträflich vernachlässigt habe.«
Michael lachte. »Und morgen schlafen wir lange und dann überlegen wir uns, ob wir noch hierbleiben. Wenn das für dich in Ordnung ist.«
»Das ist es, mein Lieber«, sagte sie und umarmte ihn.

»Möchtest du einen Kaffee, Christina?«
»Nein, danke. Möchtest du den Nachmittag im Bett verbringen?«
»Immer. Soll ich den Wecker stellen, für den Fall dass wir einschlafen?«
»Ja, stell ihn  auf neun Uhr.«
»Und was machen wir bis dahin?«
»Ich bin müde und werde schlafen.«
»Lügnerin.«
Christina lachte und schmiegte ihren Körper an seinen. »Dann lass dir was einfallen, damit ich wachbleibe.«
»Ich wüsste da schon was, aber ich fürchte, danach wirst du erst recht müde sein.«
»Dieses Risiko gehe ich ein«, sagte sie und kicherte.

»Das ist ein sehr schönes Restaurant, Christina. Warst du schon mal hier?«
»Nein. Essen war ich hier noch nie, aber vorbeigegangen bin ich schon ein paarmal.«
»Und warum nicht hinein?«
»Es war mir immer zu teuer.«
»Dann trifft es sich ja gut, dass du mich getroffen hast.«
Sie lachte. »Stimmt.«
Sie aßen und schlenderten danach durch die Straßen Roms.
In einer Bar tranken sie Cocktails, Christina Gin Tonic, Michael Mojito, und fuhren schließlich mit dem Taxi zu ihrem Apartment, denn es hatte zu regnen begonnen.

»Danke für den schönen Abend, mein Lieber.«
»Nichts zu danken. Es freut mich, dass du ihn genossen hast.«
»Wir haben ihn sehr genossen.«
»Wir?«
»Ja, wir. Meine Handtasche und ich.«
»Sie steht dir wirklich gut.«
»Was machen wir nun? Willst du schlafen gehen, auf dem Sofa sitzen und reden, oder was ganz anderes machen?«
»Du entscheidest, Christina.«
»Dann rauf aufs Sofa.«
»Möchtest du noch einen Gin Tonic?«
»Ja, gern. Und was trinkst du? Mojito wirst du dir keinen zubereiten können.«
»Warum nicht?«
»Weil«, sie zögerte, »wir weder Rum noch Minze dahaben.«
Michael lachte. »Da hast du gerade noch die Kurve gekriegt.«
»Wieso?«, fragte sie mit Unschuldsmiene. »Ich würde doch niemals an deinen Fähigkeiten als Barkeeper zweifeln.«
»Ich werde auch einen Gin Tonic trinken.«
Michael ging in die Küche und kehrte mit zwei vollen Gläsern zurück.
»Also wirst du nach Korsika reisen?«
»Ja. Ich halte das für das Beste.«
»Und was wirst du dort machen?«
»Ich werde auf das Unwohlsein warten, und wenn es kommt, holzhacken.«
»Wirklich?«
»Ja, ehrlich. Und je schlimmer es wird, desto mehr Holz werde ich hacken. So werde ich es machen«, sagte Michael mit treuherzigem Blick in seinen Augen. »Auf einen groben Klotz gehört schließlich ein grober Keil.«
Christina brach in schallendes Gelächter aus.
»Nein, ernsthaft. Ich werde es dort ruhig angehen und mich ganz auf mich selbst konzentrieren.«
»Das wird dir guttun.«
»Und wenn ich ganz ruhig bin, werde ich mir überlegen, was ich aus meinem Leben machen soll, um glücklich zu werden.«
»Vielleicht gefällt es dir auf Korsika so gut, dass diese Insel dein Ort wird.«
»Das kann ich mir nicht vorstellen.«
»Warum nicht?«
»Weil es dort im Sommer unerträglich heiß sein soll.«
»Na ja, du wirst ja sehen, wie es dir gefällt. Wo möchtest du dich denn einquartieren? In einer Stadt oder auf dem Land?«
»Ich werde die Insel wohl auf städtischem Boden betreten, also werde ich mir die Stadt natürlich anschauen. Ein bis zwei Tage lang. Aber ich denke, dass ich mir dann doch lieber eine Bleibe auf dem Land suchen werde.«
»Wirst du in dieser Zeit erreichbar sein?«
»Für dich?«
Christina errötete. »Ja.«
»Für dich bin ich immer erreichbar. Ich werde meinen Laptop mitnehmen, also können wir einander Mails schicken. Das ist günstiger.«
»Wirst du auch schreiben?«
»Meinst du, falls ich neben dem Denken und dem Holzhacken die Zeit dafür finde?« Michael lachte. »Ja, ich habe schon vor, zu schreiben. Sofern mir was einfällt.«
»Und wie hast du vor, zurückzukommen?«
»Da ich Fähren nicht besonders viel abgewinnen kann, mit dem Flugzeug.«
»Ich meine: denkst du, dass du als anderer Mensch zurückkommen wirst?«
»Als anderer vermutlich nicht. Aber als einer, der seine Aufgabe gefunden hat. Hoffe ich jedenfalls.«
»Hast du vor, jemanden auf Korsika kennenzulernen?«
»Das wird sich zwangsläufig so ergeben.«
Christina schwieg.
»Ich meine, es ist doch logisch, dass ich wen kennenlerne. Den Bäcker, der mir jeden Morgen Croissants verkauft, oder den Kellner, der mir das Mittagessen bringt. Und den Vermieter, den natürlich auch.«
»Das meine ich nicht, Michael.«
»Ach, du willst wissen, ob ich vorhabe, eine Frau kennenzulernen?«
Christina sah ihm in die Augen. »Ja.«
»Ich weiß noch nicht. Soll ich?«
Sie schwieg.
»Ich habe gehört, dass die Korsinnen sehr schön sein sollen.«
Christina sagte nichts. Sie ergriff Michael Hand und küsste sie.
»Ich habe nicht vor, mich auf Korsika mit einer Frau einzulassen. Aber passieren kann es natürlich.«
Sie richtete ihren Blick nach rechts oben. Michael verstand, dass sie mit seinen Ausführungen nicht glücklich war.
»Christina, möchtest du mir etwas sagen?«
Sie sah erst in seine Augen, dann wieder nach oben. »Nein.«
Michael fühlte, dass sie ihm etwas sagen wollte, dies aber nicht tun konnte.
Er umarmte sie. »Keine Angst, Christina, ich werde keine Korsin kennenlernen.«
Sie sah ihn an. In ihren Augen lag ein Ausdruck von Hilflosigkeit, der ihn rührte. Er streichelte ihr den Kopf und küsste sie sanft auf die Wange.
Sie schob ihn weg, erhob sich und ging in das Badezimmer. Als sie nach zehn Minuten wiederkam, sah Michael, dass sie geweint hatte.
»Ich lege mich ins Bett«, flüsterte sie. »Komm nach, wenn du möchtest.«
Michael machte Anstalten, die Zigarette, die er in der Hand hielt, zurück in die Packung zu stecken.
»Rauch sie nur«, sagte Christina. »Und komm dann.«
Michael rauchte die Zigarette, wusch die Gläser aus und ging ins Schlafzimmer. Christina lag angezogen auf dem Bett. Sie hatte ihr Gesicht im Kopfkissen verborgen. Ihr Oberkörper zuckte in kurzen Abständen, woran Michael erkennen konnte, dass sie weinte.
Er wollte sie trösten, doch wusste er nicht, wie er das anstellen sollte. Er legte sich, ebenfalls angezogen, neben sie, legte seinen Arm um ihren Oberkörper und flüsterte: »Ich weiß nicht, warum du weinst, Christina, aber ich kann es mir, so glaube ich jedenfalls, denken.«
Sie wandte sich ihm zu und sagte: »Und was denkst du, warum ich weine?«
Michael wich aus. »Ich habe keineswegs vor, mit einer Korsin nach Wien zurückzukommen.«
Sie versuchte zu lächeln. »Warum nicht? Wo sie doch so schön sind.«
»Weil keine von ihnen so sein wird wie du.«
»Wie meinst du das?«
Michael erkannte, dass er sich auf dünnes Eis begeben hatte. »Mit dir kann ich besser reden als mit jedem anderen Menschen.«
Sie küsste ihn und flüsterte: »Lass mich einfach weiterweinen, Michael. Da ist so eine- Diese Traurigkeit in mir muss einfach raus.«
»Soll ich ins Wohnzimmer gehen?«
»Nein, bleib bei mir. Und halte mich im Arm, wenn es dir nichts ausmacht.«
»Dann lass uns das Gewand ausziehen.«
Sie entkleideten sich und Christina schmiegte ihren nackten Körper an den von Michael, dieser legte seinen Arm um sie, während sie weiter in das Kopfkissen weinte.
Nach dreißig Minuten war sie eingeschlafen. Michael küsste sie sanft auf den Kopf und deckte sie gut zu. Dann schlief auch er ein.

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