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Montag, 10. Oktober 2016

der schauspieler





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guten tag.

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das ist richtig. mein name ist josef karl schegel.

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auch das ist korrekt. siebenundzwanzig jahre.

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ja, unter diesem künstlernamen bin ich bekannt.

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er klingt einfach besser als mein bürgerlicher name. michael douglas heißt ja auch nicht wirklich so.

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wie, was er bedeutet?

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sprechen sie denn nicht englisch?

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dann lernen sie es!

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weil sie dann wissen, was mein künstlername bedeutet.

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ja, ich bin schauspieler.

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bis zum heutigen tag habe ich in achtundfünfzig filmen mitgewirkt.

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nein, mit so etwas habe ich kein problem.

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weil nacktszenen nun einmal dazugehören.

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wenn sie mit ihrer frau im bett liegen, tragen sie ja auch keinen anzug!

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ja, so sind diese szenen näher an der realität.

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nein, die kann ich mir nicht aussuchen.

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sie werden entweder vom produzenten oder vom regisseur ausgesucht.

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natürlich wird darauf geachtet! was denken denn sie?

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das ist doch nur logisch. sehen sie: wenn angelina jolie einen film dreht, in welchem sie eine verheiratete frau spielt: glauben sie im ernst, dass der, der ihren ehemann spielt, dick ist und fettige haare hat?

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eben. oder wenn kathy bates eine solche frau spielt: dann wird ihr ehemann wohl kaum von brad pitt oder george clooney verkörpert werden.

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also doch. sie sehen die sache so wie ich. das freut mich.

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nein, ausbildung habe ich keine. also, ich habe publizistik studiert, und auch abgeschlossen, aber schauspielausbildung habe ich keine absolviert.

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so kann man das sagen, ein naturtalent.

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mit meinen kollegen verstehe ich mich für gewöhnlich gut.

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nein, nicht immer. leider.

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das liegt in der natur der sache.

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es gibt hin und wieder kommunikationsprobleme.

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weil viele meiner kolleginnen und kollegen aus nicht deutschsprachigen ländern kommen.

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sie kommen aus verschiedenen ländern.

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das ist nicht so ungewöhnlich. bei großen, also teuren, hollywood-produktionen ist es doch auch oft so, dass die menschen, die in den filmen mitspielen, aus verschiedenen ländern kommen. oft sogar aus verschiedenen erdteilen.

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natürlich geben die regisseure ihre anweisungen in englischer sprache. doch ist das oft verlorene liebesmüh, denn manche kollegen sprechen kein wort englisch. und so verstehen sie auch kein wort. bis auf ›action!‹ natürlich.

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ich halte mich fit und in form, indem ich mich gesund ernähre, sport betreibe und nicht trinke, also nicht übermäßig, und auch nicht rauche. und drogen sind ohnehin tabu.

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an wirklich schlimme erlebnisse kann ich mich nicht erinnern, tut mir leid.

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hm, das einzige erlebnis, das mir diesbezüglich in den sinn kommt, war ein harmloser streit mit einer kollegin, am anfang meiner karriere.

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es war geplant, eine kussszene zu drehen, und die gute hatte zuvor knoblauch gegessen.

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sie hat sich die zähne geputzt, und alles war gut.

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das schönste erlebnis? hm, mir fällt gerade kein bestimmtes schönes erlebnis ein. sehen sie, ich liebe meine arbeit, also habe ich so viele tolle momente erleben dürfen, dass ich unmöglich einen einzelnen herauspicken kann. ich hoffe, sie verstehen das.

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danke.

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nein, ich bin nicht verheiratet. war ich nie.

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eine feundin habe ich.

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sie ist auch schauspielerin.

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im gegenteil! das funktioniert perfekt.

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weil jeder von uns weiß, was der andere macht. und welche opfer er zu bringen hat.

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wenn ich von einem anstrengenden drehtag nach hause komme und, ich spreche das ganz offen aus, keine lust auf oder kraft für sex habe, dann versteht meine freundin das und lässt mich in ruhe.

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natürlich, umgekehrt ist es exakt das selbe.

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meine familie? die ist sehr stolz auf mich.

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das stimmt zum teil. zu beginn meiner karriere waren meine eltern etwas besorgt. sie wissen nämlich, dass ich ein arbeitstier bin. das bin ich immer, auch am set. sie hatten einfach angst, dass sich ihr einziges kind bei seiner arbeit übernehmen könnte.

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dass ich mich so verausgabe, dass ich einen herzinfarkt bekomme.

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natürlich hat sie ihre angst mittlerweile gelegt. meine eltern wissen nun, dass ich mir meine kraft sehr wohl einteilen kann.

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nein, ich habe niemals im bereich der publizistik oder der kommunikationswissenschaften gearbeitet.

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sehen sie, ich habe mir das studium mit der schauspielerei finanziert, und weil mir diese immer großen spaß gemacht hat, bin ich dabei geblieben.

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nein, ich möchte nichts anderes arbeiten.

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das alter wird kein allzu großes problem darstellen, glauben sie mir.

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weil auch ältere schauspieler gefragt sind und gute angebote erhalten.

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ja, ich darf mich als regisseur versuchen. der produzent meines nächsten films hat mir angeboten, regie zu führen. außerdem darf ich das drehbuch schreiben und werde natürlich auch die hauptrolle übernehmen.

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es wird ein film in englischer sprache, mit sehr hochgestochenen dialogen, und zum teil in schwarz-weiß gedreht.

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danke sehr! ich freue mich auch. zumal das der erste film ist, in dessen titel mein name erwähnung findet.

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›dick dagger’s guide to anal intercourse.‹

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