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Dienstag, 11. Oktober 2016

Fünf Kurztexte

Falsche Zeichen



Dass die Sache so ausgehen würde, hätte er sich nicht träumen lassen.
Am Morgen war er von Sonnenstrahlen geweckt worden. Er nahm dies als Zeichen, dass das Gespräch mit seinem Chef erfolgreich verlaufen würde.
Die Empfangsdame lächelte ihn an und offerierte ihm Pralinen - ein weiteres gutes Omen, denn das hatte sie noch nie gemacht.
Er ging das Programm noch einmal durch, und dann war es auch schon Zeit, zu seinem Chef zu gehen.
Dieser gab ihm wortlos die Hand und sprach erst nachdem er die Türe seines Büros geschlossen hatte. Was er dann zu sagen hatte brüllte er, und indem er sich mehrere Male mit dem Zeigefinger an die Schläfe tippte und ihm schließlich den Weg zur Türe wies, setzte er deutliche Zeichen dessen, was er von der Qualität des Programms hielt.
Gefeuert und enttäuscht fuhr er nach Hause und schwor sich künftig vor Sonnenaufgang aufzustehen und auf Pralinen zu verzichten.



Durst




Was darf es sein?

Bier!

Welches? Hell, dunkel, Bockbier oder Weizenbier?

In dieser Reihenfolge! Warum staunen sie?

Darf es vielleicht auch ein Dessert sein?

Ein Achterl!

Rot oder weiß?

Slibowitz!




Kälte



Die Masse Geld, die Anton von seiner Tante geerbt hatte, wog so schwer, dass es ihm, selbst nachdem er vier Sportwagen gekauft hatte, leicht fiel, das Fenster des Schlafzimmers der Verstorbenen professionell abdichten zu lassen, damit er nicht das selbe Schicksal erleiden müsste wie die gehbehinderte Erblasserin, nämlich zu erfrieren.



Ritual



“Das habe ich im Rachen des Toten gefunden.”, sagte der Gerichtsmediziner und reichte dem Kommissar einen kleinen Tannenzweig in einer Plastiktüte.
“Was hat das Grünzeug dort zu suchen?”, fragte der Polizist.
“Es handelt sich dabei um ein Jagdritual, welches unbedingt befolgt werden muss: die letzte Äsung.”
Da erkannte der Ermittler, dass der Mann keineswegs einem Jagdunfall zum Opfer gefallen war, sondern gezielt zur Strecke gebracht worden war und der nun sehr vermögende Sohn des Toten unmöglich aus Versehen zwei Schüsse abgegeben haben konnte, den er hatte eine einläufige Flinte dabeigehabt.


Seitensprung - eine schlechte Idee!
(die fünf kurzen Sätze waren vorgegeben)


Sie musste davon gewusst haben. Seine Lieb- und Lustlosigkeit, die sie zu ertragen hatte, jedes Mal, wenn er vom Golfspielen zurückgekommen war und seinen Pflichten ihr gegenüber, also seinen ehelichen nachzukommen hatte, wären keiner Frau verborgen geblieben. Da war sie wieder. Die ihr seit dem Tag, an welchem sie zum ersten Mal die Erfahrung machen musste, wie es ist betrogen zu werden, es hatte sich beim Betrüger um ihren ersten festen Freund gehandelt, innewohnende Eifersucht. Doch dieses Mal rächte sie sich, indem sie ihren Mann, als er vom Golfspielen nach Hause kam, nackt im Bett empfing, allerdings nicht alleine, denn seine beiden besten Freunde lagen, ebenfalls nackt, bei ihr. Einer links, einer rechts. Sie sah ihrem untreuen Gatten in die Augen und eröffnete ihm, dass sie nun auch Gefallen an der postpubertären Disziplin des Seitensprungs gefunden hätte und plante, ebendieser stets dann zu frönen, wenn er auf dem Golfplatz wäre. Es brach aus ihm heraus. Unter Tränen gestand er seiner Ehefrau seine jahrelange Untreue, zum Vollzug ebendieser hatte er, wie auszuführen, er wollte reinen Tisch machen, er nicht verabsäumte, die Anwesenheit seiner beiden besten Freunde war ihm gleichgültig, verschiedene Damen verführt, einige gleich etliche Male, und bat sie, die als seine einzige und wahre Liebe zu bezeichnen er sich nicht entblödete, um Vergebung. Während sie tags darauf sein Leibgericht, Geschmortes, zubereitete, machte sie sich große Sorgen, die sich letztlich als unbegründet herausstellen sollten, dass die Beigabe von C34H47NO11 die Sämigkeit des Schmorgerichts verändern könnte. Die Konsistenz war in Ordnung.

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