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Dienstag, 11. Oktober 2016

Politik





Denkst du, dass er funktioniert?

Ja, warum nicht?

Zugegeben, der Plan klingt gut. Aber wir wissen beide, welche Intention ihm zugrunde liegt.

Natürlich wissen wir das. Der Plan ist schließlich unser eigener.

Werden die Leute nicht misstrauisch werden?

Nein. Die habe ich in der Hand. Aus der fressen sie mir.

Und unsere Mitbewerber?

Die Opposition?

Also, noch sind wir ein Teil dieser Opposition. Und nicht einmal der größte.

Du siehst wieder einmal schwarz. Warte die nächste Wahl ab, da werden wir kräftig zulegen.

Dein Wort in Gottes Ohr.

Gott. Der wird uns nicht helfen. Unsere Anhänger dagegen schon.

Wenn wir sie mobilisieren können.

Wie gesagt, die Leute fressen mir aus der Hand. Wenn ich ihnen sage, dass das, was sie sehen ein X ist, glauben sie mir das. Selbst wenn es sich eigentlich um ein U handelt.

Sagen wir so: bisher haben sie es dir abgekauft.

Glaube mir, das werden sie auch weiterhin.

Ich befürchte, unser neuer Plan wird einigen von ihnen die Augen öffnen.

Und weiter?

Vielleicht fressen sie dir dann nicht mehr aus der Hand.

Was sollten sie denn sonst tun?

Sie könnten beginnen, dir in die Hand zu beißen.

Ich halte für ausgeschlossen, dass das passieren wird.

Warum ausgeschlossen?

Weil diese Leute mir immer folgen werden.

Denkst du?

Klar. Was sollen sie sonst machen?

Jemand anderem aus der Hand zu fressen beginnen.

Niemals. Dafür sind sie zu einfältig.

Mit einer derartigen Bewertung wäre ich sehr vorsichtig.

Ach was. Ich weiß schon, wie weit ich mich aus dem Fenster lehnen kann.

Und die Presse?

Was ist mit ihr? Außer dass sie mich liebt.

Sie könnte unseren neuen Plan zerpflücken, sobald sie Wind davon bekommt.

Das wird nicht passieren.

Warum nicht? Irgendwann werden wir ihn präsentieren müssen.

Natürlich. Das werden wir auch. Und die Presse wird ihn begrüßen und in unserem Sinn den Leuten schmackhaft machen.

Wird sie das?

Natürlich.

Warum sollte sie?

Weil der Plan von mir präsentiert werden wird.

Das ist logisch. Du bist schließlich unser Vorsitzender.

Eben. Und weil er von mir kommt, wird ihn die Presse goutieren.

Was ist mit den Journalisten, die dir stets kritisch gegenübergestanden haben und dies immer noch tun?

Diese ignorante Brut von Schreiberlingen werde ich bald auf meine Seite gezogen haben.

Und wie?

Indem ich dieser Brut verständlich mache, dass ich das kleinere zur Wahl stehende Übel bin.

Bisher waren sie vom Gegenteil überzeugt.

Ich kann ihre Meinung ändern. Ziemlich leicht sogar.

Wie denn? Indem du dich hinstellst und erklärst <Hört zu: ich bin ab jetzt ein ganz Braver!>?

Nein. So einfach wird es nicht werden. Leider.

Wie sonst?

Indem ich die Konkurrenz ausschalte.

Wie bitte? Wie willst du denn unsere politischen Mitbewerber ausschalten?

Indem ich der Presse Informationen zuspiele.

Was für Informationen denn?

Informationen darüber, was diese Leute privat so treiben.

Das halte ich in zweierlei Hinsicht für eine schlechte Idee.

Inwiefern?

Zum einen würden die Mitbewerber unweigerlich und ziemlich rasch der Presse Informationen über das zuspielen, was du privat treibst.

Was treibe ich denn privat?

Oder über das, was du getrieben hast, das bislang der Öffentlichkeit verborgen geblieben ist.

Schnee von gestern.

Interessante Wortwahl.

Ich nehme schon lange nichts mehr.

Aber das, was du genommen hast, hat das Zeug dazu, deinen persönlichen Schneesturm auszulösen. Ich meine, es war schließlich nicht Gras, was du konsumiert hast.

Ein Fehler, den ich gemacht habe. Na und? Jeder Mensch macht Fehler.

Aber wenn ein selbsterklärter Saubermann wie du Fehler begeht, die strafrechtlich relevant sind, sieht die Sache anders aus. Das werden dann auch die Leute so sehen, die dir heute noch aus der Hand fressen.

Diese Leute werden verstehen, warum ich das gemacht habe, wenn ich es ihnen erkläre.

Was würdest du denn sagen?

Dass ich unter immensem Druck gestanden habe und das Zeug gebraucht und nur deshalb genommen habe, um weiterhin meine ganze Energie in sie Arbeit für sie, also diese Leute, legen zu können.

Das wäre eine denkbar schlechte Erklärung.

Warum?

Weil sich sofort sämtliche Mitbewerber zu Wort melden und erklären würden, sie arbeiteten mindestens ebenso hart wie du, kämen aber ohne Drogen aus.

Damit könntest du recht haben.

Damit habe ich auch recht. Aber, um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen: der zweite Grund, warum ich das der Presse Zuspielen von privaten Informationen für eine nachgerade fatale Idee halte, ist der, dass die Wähler niemanden werden haben wollen, der seine Konkurrenten verpetzt.

Warum nicht? Die Wahrheit ist dem Menschen doch zumutbar.

Das ist sie. Nur, einen Schlammschlachter und Steinewerfer werden die Leute nicht wählen. Schon gar nicht einen, der selbst im Glashaus sitzt.

Wie können wir dann die Konkurrenz eliminieren?

Durch die besseren Argumente. Oder das besser verbrämte Unausgesprochene. Wohlgemerkt, dies gilt für die Leute. Die Journalistenbrut, zumindest deren Elemente, die dich nicht mögen, wirst du auch so nicht auf deine Seite ziehen können.

Wie wäre das zu schaffen?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Die in ihrer Ideologie sattelfesten Schreiberlinge wirst du nie für dich gewinnen können. Die anderen eventuell durch Deals.

Deals? Was für Deals?

Das in Aussicht Stellen von Werbeinseraten zum Beispiel. Oder das Versprechen, dass du die Presseförderung erhöhen wirst.

Aber das ist ja genau das, was ich nicht möchte. Unser neuer Plan sieht das Gegenteil vor.

Das weiß ich. Ich habe ihn schließlich mitentworfen.

Wie kann es dann funktionieren?

Wir könnten den Plan ändern, ihn ein wenig modifizieren.

Den Plan ändern? Bist du verrückt?

Wir könnten ihn ja folgendermaßen ändern: wir ziehen nicht das Geld für die Förderung der Presse und der Kultur heran, sondern jenes für Soziales und Justiz.

Das klingt nicht schlecht. Auf diese Weise fahren wir der Journalistenbrut nicht direkt an den Karren.

Eben. So liefern wir der Brut keinen unmittelbaren Anlass, auf uns hinzuhacken. Vielleicht sollten wir den Plan sogar dahingehend ändern, dass wir eine Erhöhung der Presse- und Kulturförderung hineinpacken.

Das wäre vielleicht ganz gut. So würden sich die Schreiberlinge gebauchpinselt fühlen. Das kann uns nur helfen.

Und die uns gegenüber kritischen sogenannten Intellektuellen wären auch zum Mundhalten gezwungen. Wo sie doch mehr Geld von uns erhalten werden.

Die Frage ist bloß: Wie werden die Leute aus dem Sozialbereich und der Justiz auf unseren Plan reagieren?

Ich glaube, dass deren Protestgeschwafel ungehört verklingen wird. Ich meine, den Sozialbereich versteht ohnehin niemand wirklich. Und was die Justiz anlangt: wer hat schon eine Freude mit der Justiz?

Ich sicherlich nicht.

Ich auch nicht. Wenn dieses Lüftchen im Wasserglas vorüber ist, kannst du deine Manualnahrungsaufnehmer auf Kurs bringen.

Allzu schwer wird mir das nicht fallen. Zumal der essenzielle Punkt des Planes ohnehin allen, die uns für unser Kernthema lieben und uns deswegen wählen, nach dem Maul redet.

Eben. Wir stehen für Sicherheit. Da kommt unser Plan gerade recht.

Und wenn das Geld nicht ausreicht?

Das Geld wird keinesfalls ausreichen. Um eine schlagkräftige Armee aufzubauen wird auch das Geld für Presse- und Kulturförderung nicht reichen. Aber wir werden das schon hinbekommen. Der Plan wird umgesetzt.

Das wird er. Ich habe dann ja freie Hand.

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