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Montag, 10. Oktober 2016

Sechs Nachrufe




Nachruf auf Mathias Treblan


Liebe Trauergemeinde, unser M. ist gegangen. Er ist aus dem großen Zug ausgestiegen und wir bleiben zurück. Er hatte keine Kinder, die um ihn trauern könnten, somit bleiben nur wir. Was soll ich sagen? Ich lernte den M. in der Berufsschule kennen, er wollte Kellner werden, ich Schweißer. Geworden sind wir es nicht. Er ist Schweißer geworden und ich Kellner. Ich habe ihn immer fröhlich und lustig erlebt, nie war er aggressiv oder brutal. Das einzige Mal, dass ich ihn traurig gesehen habe, war, als seine Trude gestorben ist. Und deswegen sitzen wir heute wahrscheinlich hier. Ich glaube, der M. wollte zu seiner Trude. Was soll ich noch sagen? Leb wohl, M., es war ein Spaß mit dir!


Nachruf auf Martin Tocker


Geschätzte Familie T., werte Bundesbrüder, werte Verbandsbrüder! M. T. ist nicht mehr. Es fällt nicht leicht, diesen Umstand hinzunehmen. Er ist von uns gegangen, und niemand weiß, warum. Ich habe M. vor dreißig Jahren kennengelernt, als er als Fux in unsere liebe Schlagia eingetreten ist. Er wurde mein Leibfux und wir wurden Freunde. M. hat sechs Mensuren geschlagen und ich war dabei stets an seiner Seite, so wie er mir bei meinen Partien zur Seite gestanden hat. Wir, und damit meine ich auch die anwesenden Verbandsbrüder, tendieren dazu, unsere Burschenschaften als den Mittelpunkt der Welt zu sehen. Wir steigen als Fuxen ein, werden Burschen und schließlich Alte Herren. Wir fechten, trinken und singen. Hin und wieder studiert einer von uns. Doch was wir gerne übersehen, ist der Mensch. Der Mensch ist es, der im Mittelpunkt unseres Tuns stehen sollte, nicht der Bund! Dies übersehen wir nur allzu oft. Ohne die Menschen, unsere Bundesbrüder, mit all ihren Qualitäten und mitsamt ihren Unzulänglichkeiten, sind auch wir als Burschenschaft nichts. Nun, da wir am Grab des Bundesbruders T. stehen, sollten wir uns dies vor Augen halten. Die Frage, ob wir mehr auf M. hätten eingehen sollen, ob wir ihn schlicht hätten fragen sollen 'Wie geht es dir?', wird uns noch lange Zeit beschäftigen. Wenn wir es fertigbringen, von unserem Ross, das uns sagt, dass der Bund das Wichtigste ist, herunterzusteigen, dann können wir vielleicht, hoffentlich, Derartiges in Zukunft verhindern. Dann war der Tod von Bundesbruder T. nicht umsonst. Ich erhebe mein Glas auf M. T.! Fiducit, lieber Leibfux!

Nachruf auf Miroslav Trankwein


Da, wo unser M. so gerne saß, ist jetzt ein leerer Platz. Wie gerne hat er Frankfurter Würste in das Feuer gehalten. Und wenn einer von uns kein Glück gehabt hat und nichts zu essen gefunden hat, der M. hat ihm immer ein Stück Wurst abgetreten und ihn immer einen Schluck aus seiner Dopplerflasche nehmen lassen. Nein, geizig war der M. nicht. Er hat ein hartes Leben gehabt, nach seiner Scheidung ist er auf der Straße gestanden, aber er war immer ein feiner Kerl. Und ein lieber noch dazu. Mit seiner Intelligenz hat er uns allen oft sehr geholfen, wenn wieder einmal ein Brief vom Gericht gekommen ist. Wir werden dich vermissen, lieber M.! Jedes Mal, wenn einer von uns ein Bad im Fluss nimmt, in den du gegangen bist, wird er an dich denken. Das verspreche ich dir! Und zur Feier dieses traurigen Tages nehme ich einen kräftigen Schluck aus der Flasche deines Lieblingsweines, lieber M., Zweigelt, und sage ein letztes Mal 'Prost'!

Nachruf auf Manfred Tretmühl


Liebe Familie T., geschätzte Präsidentin, werte Abgeordnete! Ich habe M. T. vor gut zwanzig Jahren kennen und schätzen gelernt. Er war noch sehr jung, als er in den Nationalrat eingezogen ist, und er war anders als viele junge Abgeordnete. Er war Politiker mit Leib und Seele, dem an der Sache gelegen war. Wenn er sich entschlossen hatte, für eine Sache einzutreten, dann tat er das auch, Klubzwang war ihm ein Fremdwort. Dafür liebten ihn seine Wählerinnen und Wähler, dafür schätzten und achteten ihn seine Klubkolleginnen und Klubkollegen. Sein Tod ist ein ewig währender Verlust für seine Partei und die Politik in diesem Land. Wir danken M. T. für seine Dienste an unserem Vaterland und werden seiner stets ehrend gedenken. Ich möchte auch einige persönliche Worte sagen. Lieber M., du hast den Brief, den wir in deinem Büro gefunden haben, wo du aus dem Leben geschieden bist, mit den Worten 'To Whom It May Concern' eingeleitet und darin die Kälte und die Missgunst in unserem Metier, der Politik, angeprangert. Und ich gebe dir recht! Vollinhaltlich. Es muss ein anderer Umgangston Einzug halten, nicht nur in der Politik, sondern in der Gesellschaft allgemein. Wir müssen lernen, auf das Individuum einzugehen und es so anzunehmen, wie es nun einmal ist. Dann, lieber M., sind die Lilien, die hier stehen, keine Blumen der Trauer, des Todes mehr, sondern Blumen der Schönheit. Dann hat dein Freitod Wirkung gezeigt. Mach es gut, lieber Freund!

Nachruf auf Moritz Trentzker


Lieber M., du warst mein allerbester Freund auf der Welt. Mit dir konnte ich über alles reden. Wirklich alles. Seitdem du weg bist, haben die roten Linien wieder angefangen zu bluten. Ich weiß nicht, was ohne dich werden soll. Warum hast du das getan? Deine Schwester hört nicht mehr auf mit weinen und deine Mama ist in der Klinik. Wieder einmal. Und wie soll ich jemals wieder den Zug in die Schule nehmen? Jeden Tag über die Geleise fahren, auf die du dich geschmissen hast - ich glaube, ich kann das nicht! Und das alles wegen Susi. Ich glaube jedenfalls, dass du dich umgebracht hast, weil sie dich nicht hat haben wollen. Vielleicht geht es dir gut, dort, wo du jetzt bist. Ich hoffe es. Mach es gut.


Nachruf auf Manuel Tromantiner


Lieber M., geliebtes Bruderherz! Mein Herz ist schwer. Niemand von uns versteht deine Tat! Du hattest doch alles. Eine Familie, die dich liebt und in jeder Lebenslage unterstützt und Freundinnen und Freunde, die sich niemals abwenden würden. Was ist bloß in dich gefahren? Weißt du eigentlich, welche Probleme du uns bereitest? Dagegen waren deine eigenen doch klein! Was werden die Leute in Gratwein sagen? Was soll die Mama bloß in der Arbeit sagen, welcher Teufel dich geritten hat? Auch den alten Großeltern hast du sehr wehgetan. Womit haben die das verdient? Ach, ich weiß auch nicht... Vielleicht hätten wir alle uns ein bisschen mehr um dich kümmern sollen, aber du hast eben nie funktioniert! Liebes Bruderherz, leb wohl! (2013)




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