Labels

Blog-Archiv

Dienstag, 11. Oktober 2016

Siebenmal der 'liebe' Gott





Jennifer N., 12, Neuseeland: Lieber Gott! Gestern wurden zwei Wale an die Küste geschwemmt. Eine Walmutter und ihr Kind. Ich und ein paar Kinder aus meiner Schulklasse haben zuerst das Walkind ins Meer zurückgezogen, aber seine Mama war einfach zu schwer für uns. Sie ist dann auf dem Strand gestorben. Ich weiß, dass so etwas passieren kann. Bei uns in Neuseeland passiert das eigentlich oft. Aber als das Walkind dann im Wasser war, sind ein paar Haie gekommen, haben richtig große Stücke herausgerissen und es aufgefressen. Lieber Gott, warum lässt du so etwas zu? Das Walkind war doch noch so unschuldig.

Der 'liebe' Gott: Grüß mich, Jennifer! Ich verstehe deine Frage. Und ich werde dir erklären, warum ich so etwas zulasse. Nämlich um euch, dich und die Kinder in deiner Schulklasse, auf das harte Leben vorzubereiten, das euch bevorsteht. Ihr sollt schon in jungen Jahren lernen, dass das Leben grausam und ungerecht ist. Ich nehme an, du verstehst das. Wie geht es deiner Schwester Mary? Sie hat mir gesagt, dass sie gerne ein paar Eier mehr hätte. Ich nehme an, sie wollte diese auf ihrem Bankkonto haben. Sag ihr, sie soll mal die Beule, die aus ihrem Hals wächst,  biopsieren lassen.



Milorad F., 42, Tschechien: Grüß Gott, lieber Gott! Ich bitte dich untertänigst um Hilfe. Meine Ehefrau, wir haben kirchlich geheiratet, ist sehr krank. Sie ist im selben Alter wie ich und geht jede Woche mindestens dreimal in die Kirche. Sie liegt zur Zeit im Bett und hat schlimme Schmerzen. Die Ärzte wissen nicht, was ihr fehlt. Ständig betet sie, und dann weint sie. Bitte, lieber Gott, hilf ihr!

Der 'liebe' Gott: Grüß mich, Milorad! Natürlich weiß ich, was deiner Dusica fehlt. Sie hat Aids und die Ärzte im Krankenhaus bestochen, damit sie dir die Wahrheit über ihre Erkrankung verschweigen. Sie wird in genau achtzehn Tagen und vier Stunden krepieren. Sie hat dir verschwiegen, dass sie eine Hure in Prag war, bevor ihr euch kennengelernt habt. Da sie lediglich am Geld interessiert war, hat sie stets gegen Aufpreis ohne Kondom gevögelt. Und jetzt stirbt diese Riesenhure eben. Gewöhne dich an den Gedanken. Du hast immerhin noch achtzehn Tage Zeit, mit ihr zu verkehren. Du brauchst dir dabei keine Sorgen zu machen, denn ich habe eine Überraschung für dich: du hast auch Aids.



Christina L., 25, Kalifornien: Lieber Gott! Ich bin verzweifelt und böse auf dich. Mein Mann Greg ist im Irak gefallen und hat mich mit unseren zwei Kindern zurückgelassen. Ich muss nun alleine für sie sorgen und werde mit dieser Belastung nur sehr schwer fertig. Warum hast du uns Greg genommen? Er war ein so guter Ehemann und Vater! Ich verstehe das einfach nicht.

Der 'liebe' Gott: Grüß mich, Christina! Dein Greg war überreif, wie Fallobst. Ich habe lange Jahre zugesehen, ob er was aus sich macht, aber er hat nichts aus sich gemacht. Er war ein Feigling, der wie ein Kind geschrien hat, als die erste Kugel seinen Bauch durchbohrt hat, und noch lauter gejault, wie ein Hund, hat er bei der zweiten und der dritten Kugel, diese Memme. Sei froh, dass er tot ist. Du bist jung und wirst einen neuen Mann finden. Zeuge mit diesem unbedingt einen Sohn! Denn dein Martin wird im Alter von siebzehn Jahren im Krieg gegen China sterben. Und er wird beim Sterben gleich feig sein wie sein Vater.



Martha P., 40, Deutschland: Lieber Gott! Meine Tochter Denise hat sich vor einem Jahr das Leben genommen. Mein Mann und ich sind immer noch verzweifelt und verstehen immer noch nicht, warum sie das gemacht hat. Sie hat auch keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Auch ihr Bruder Kevin vermisst sie sehr. Er versteht es auch nicht. Er hat seine Schwester so geliebt. Bitte sag mir, dass es meiner Denise wenigstens jetzt gut geht.

Der 'liebe' Gott: Grüß mich, Martha! Deine Denise hat sich umgebracht, weil sie schwach war. Sie hat ihre Schwäche in einem Abschiedsbrief kundgetan, den dein Mann verbrannt hat. Sie hat darin geschrieben, dass sie es nicht mehr aushält, dass ihr Vater sie so gern hat, dass er sie jeden Tag liebt. Und dass es sie stört, dass ihr Bruder dann auch damit angefangen hat, ein paarmal sogar mit dem Vater gemeinsam. Sie war einfach ein schwacher Mensch, weine nicht um sie, sie ist es nicht wert. Ihre Slips hat übrigens dein Mann in seinem Tresor. Bei mir geht es Denise sehr gut. Ich habe sie in ein kleines Häuschen gesteckt, dass jeder Mann im Himmel besuchen darf. Natürlich ohne dafür zahlen zu müssen.



Ndugu O., 34, Somalia: Lieber Gott! Meine Familie leidet Hunger. In dem See, der neben unserer Hütte liegt, gibt es keine Fische mehr und Vieh können wir keines halten, weil es zu trocken ist. Die wenigen Pflanzen, die aus dem trockenen Boden wachsen, reichen nicht aus, um meine Lieben zu ernähren. Die Bäuche meiner Kinder sind mächtig aufgebläht und meine Frau ist bis auf die Knochen abgemagert. Jeden Tag bete ich zu dir, doch nichts ändert sich. Bitte schicke uns Fische oder fruchtbaren Boden!

Der 'liebe' Gott: Grüß mich, Ndugu! Sei froh! In der Arktis wächst noch weniger. Und dort ist es auch noch kalt. Ich werde dir keine Fische schicken. Auf deinem Kontinent stinkt es sonst zu sehr. Ich verstehe deinen Wunsch, etwas Futter zu erhalten, daher werde ich Insekten schicken. Viele Insekten. In Asien gelten die als Delikatesse. Also wage es ja nicht, dich dann über mein großzügiges Geschenk zu beklagen! Koche die Insekten in einem Sud aus Zwiebeln, Tomaten, Basilikum und ein wenig Knoblauch. Verkaufe deine älteste Tochter nach Italien. Sie wird ohnehin dort landen, in einem Bordell. So verdienst du wenigstens ein bisschen Geld, um die Zutaten für den Heuschreckensud zu kaufen. Deine Frau sieht aus wie ein Skelett? Habe noch zwei Wochen Geduld! Dann ist sie eines.



Ahmad I., 38, Saudi-Arabien: Lieber Gott! Ich und meine Brüder und Schwestern im christlichen Glauben werden in dem Land, in dem wir gezwungen sind, im Verborgenen zu beten, weil die Kirchen fast immer geschlossen sind, auf das schwerste unterdrückt. Dabei wollen wir doch nur dir, lieber Gott, huldigen! Warum lässt du zu, dass uns dieses Unrecht widerfährt? Wir sind gute Christen und werden von den Machthabern in unserem Land mit dem Tode bedroht, wenn wir unsere Religion ausüben wollen. Lieber Gott, ich liebe dich und bitte dich, uns zu helfen!

Der 'liebe' Gott: Grüß mich, Ahmad! Ihr werdet unterdrückt, weil ihr schwach seid! Ihr seid Memmen, die im Verborgenen beten, anstatt aufzustehen, auf die Straßen zu gehen und für euren Glauben, also für mich, zu kämpfen. Steht auf! Geht auf die Straßen, ihr Hasenfüße! Was soll euch groß geschehen? Wenn ihr im Staub liegen bleibt, können eure Nachkommen euch wenigstens als Märtyrer bezeichnen. Zeigt mir, wie stark euer Glaube an mich ist! Oder seid ihr bloß Maulhelden? Denkt an die Kreuzritter, die furchtlos für mich in den Tod gegangen sind. Aber bedenke, dass nur die Männer unter euch für mich aufstehen dürfen! Keinesfalls die Weiber! Die sind dazu da, Ersatz für euch zur Welt zu bringen.



Markus P., 37, Vatikanstadt: Lieber Gott, Herr! Ich befürchte, vom rechten Glauben abgefallen zu sein. Die Fleischeslust ist über mich gekommen, wie ein Wirbelsturm über die Wüste und hat meine Keuschheit weggefegt wie einen flüchtigen Gedanken. Ich habe mich in eine Frau verliebt und denke daran, den Beruf des Priesters aufzugeben, um mich zu dieser Frau bekennen zu können. Allerdings habe ich Angst vor deiner strafend harten Hand. Ich sehe keinen Weg, so aus dieser Sache herauszukommen, dass du mir nicht böse bist. Bitte gib mir ein Zeichen, das mir sagt, ob ich einen großen Fehler mache, eine schwere Sünde begehe!

Der 'liebe' Gott: Grüß mich, Verräter! Mir ist dein Abfall von mir nicht verborgen geblieben! Aus welchem Grund, glaubst du, bist du unheilbar an Lungenkrebs erkrankt? Der Abfall von mir breitet sich aus, wie dein metastasierendes Krebsgeschwür. Triff dich weiterhin mit deiner Hure, viel Zeit bleibt dir nicht mehr! In drei Tagen wirst du zu ihr gehen, ihr werdet euch eurer verderbten Leidenschaft hingeben und du wirst ihr einen Antrag machen. Präge dir das Gesicht der Hure gut ein in diesem Moment. Wenn du gegangen bist, wird sie Besuch von vier Männern erhalten. Danach wirst du sie nicht wiedererkennen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen